DIY
Tutorials

Spieletipp Nemesis

Nemesis ist ein Survival-Horrorgame, entwickelt von Awaken Realms und wurde zunächst nur per Kickstarter veröffentlicht. Nach dem riesen Erfolg der Crowdfunding-Kampagne, ging das Spiel in Europa über Asmodee als Retailversion in den regulären Vertrieb. Das Spiel eignet sich für 1-6 Spieler, ist empfohlen für die Altersstufe 14+ und fällt in die Kategorie Expertenspiel.

115 Gründe, warum es dieses Spiel bei uns nicht in die Ausleihe schafft, ist der Preis von knapp 115 Euro. Ein weiterer Grund ist die riesen Menge an Material. Da wir jedes Spiel nach Rückgabe auf Vollzähligkeit prüfen, wäre dies alleine fast eine Tagesaufgabe.

Über 340 Karten, Über 280 Plättchen und Marker, ein Doppelseitiger Spielplan, 6 Charaktere mitsamt Charaktertafel, 26 Miniaturen und noch viele, viele Kleinigkeiten mehr, machen Nemesis zu einer Materialschlacht.

Daher ist Nemesis kein Spiel für Zwischendurch oder für Gelegenheitsspieler. Das sollte ein Expertenspiel aber auch nicht sein.

Aber worum geht es eigentlich?

Wir befinden uns in naher Zukunft auf einem Raumschiff Richtung Erde. Die Crew liegt im Kälteschlaf, als das Computersystem durch einen Notfall den Hyperraumantrieb deaktiviert und die Crew aus ihrem Schlaf erwacht. Längere Reisen in Kältekapseln führen zu kurzzeitigem Gedächtnisverlust und Desorientierung und so kann niemand sagen, wo sich die Triebwerkskontrolle befindet, der Sanitätsbereich, die Evakuierungskammern oder die anderen Räume.

Neben uns finden wir ein totes Crewmitglied und bei näherem Hinsehen, entdecken wir eine große, offene Wunde in seiner Brust. Dann hören wir hin und wieder Geräusche aus den Gängen um uns herum. Offensichtlich sind wir nicht allein!!!

Und was ist das Ziel?

Überleben! Irgendwie überleben und dazu bietet Nemesis mehrere Möglichkeiten. Leider gibt es auch mindestens genauso viele Möglichkeiten nicht zu überleben und genau dies stellt den Spieler mit jeder neuen Partie vor einen sehr großen Herausforderung.

Grundlegend bleiben den Spielern 15 Stunden Zeit, bevor das Schiff wieder in den Hyperraum springt. Wer es bis dahin nicht wieder in die Kältekammer schafft, stirbt. Diese ist allerdings auch erst nach 8 Stunden verfügbar. Bis dahin muss sichergestellt werden, dass 2 der 3 Triebwerke in Funktion sind. Außerdem muss im Cockpit überprüft werden, ob der einprogrammierte Kurs B die Crew auch wirklich zur Erde bringt. Oder wir versuchen unser Glück in einer der Rettungskapseln… sofern diese überhaupt in Betrieb sind.

Wie wird gespielt?

Zu Beginn entscheidet ein Zufallsprinzip welcher Spieler welchen Charakter übernimmt – eine ziemlich gute Lösung, da diese Art Spiele oft mit dem Problem der sogenannten „Alphaspieler“ kämpfen. Dazu erhält jeder Charakter seine vorgegeben Ausrüstung und sein Aktionsdeck, bestehend aus 10 Karten. Diese Karten geben vor, welche Möglichkeiten und welche „Fähigkeiten“ jeder Charakter besitzt. Karten wie „Suchen“ besitzt jeder Charakter. Der Captain hat allerdings andere Möglichkeiten als der Pilot oder der Wissenschaftler. Und so ist jeder Charakter für sich interessant, wenn auch nicht gleich zu spielen. Dennoch ist eine gute Balance zwischen jedem einzelnen Charakter gelungen.

Anschließen wählt jeder Spieler für sich zwei geheime Ziele. Im Laufe des Spiels wird er sich für ein Ziel entscheiden müssen. Und genau in diesem Moment entscheidet es sich, ob die Spieler die Partie gemeinsam kooperativ spielen, oder ob nicht jemand ein Ziel verfolgt, welches nicht unbedingt zu Gunsten der anderen Spieler sein muss – natürlich weiterhin geheim.

Dann gilt es Räume zu erkunden, Gegenstände zu finden und zu verbinden, Feuer in Räume müssen gelöscht werden oder manche Räume gar repariert, denn jeder Raum hat eine eigene Funktion, die natürlich nur funktioniert, sofern der Raum intakt ist. Breitet sich das Feuer zu sehr auf dem Schiff aus, explodiert es. Sind zuviele Räume defekt, bricht die Integrität der Hülle zusammen und das Schiff implodiert.

Die eigentliche Spannung liegt aber in der Atmosphäre des Spiels. Nach Jeder Bewegung in einen nicht-leeren Raum muss eine Geräuschprobe erwürfelt werden, die anzeigt, ob man Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Erregt man zu viel Aufmerksamkeit, kommt es zu einer Begegnung mit einem Gegner – ein weiterer Pluspunkt in diesem Spiel.

Shooterspieler werden sehr bald merken, daß Kämpfen selten die bessere Wahl ist. Zu groß ist das Risiko infiziert zu werden, eine leichte Wunde zu erleiden oder sogar eine schwere…

Irgendwie klingt das wie….

Alien! Genau. Wer die Filme mitsamt den Prequels kennt, wird das Setting sehr schnell wiedererkennen. Vermutlich hat man lediglich aus Lizenzgründen eine andere Bezeichnung gewählt aber es ist die Filmreihe, aufgebrochen in viele einzelne Spielmechaniken und Regeln. Was zu Beginn erschlagend wirkt, löst sich spätestens in der zweiten Runde in Luft auf. Die Regeln sind sehr einfach, die einzelnen Kombinationsmöglichkeiten lassen das Spiel aber äußerst Komplex werden. Und genau dieser Umstand, rechtfertig am Ende auch den Preis.

Das riesen Materialpaket ist das eine. Aber ein Spiel zu schaffen, welches sich mit jeder Partie neu aufbaut, neue Möglichkeiten bietet und völlig neue Erlebnisse schafft ist noch nicht so oft gelungen.

Anders gesagt: ein Standalone-Spiel wie Monopoly, Risiko oder Legenden von Andor… also Spiele, die ich mehr als 10x aus dem Regal hole, kann ich an einer Hand abzählen. Nemesis gehört da ganz sicher zu und ich vergebe dem Spiel 9,5 von 10 Punkten.

(Bernd)

Kommentar verfassen